{"id":20,"date":"2021-03-02T08:21:46","date_gmt":"2021-03-02T07:21:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.nordland.online\/?p=20"},"modified":"2022-02-02T09:56:18","modified_gmt":"2022-02-02T08:56:18","slug":"und-bewahre-uns-vor-dem-zorn-der-nordmaenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.nordland.online\/?p=20","title":{"rendered":"&#8222;&#8230;und bewahre uns vor dem Zorn der Nordm\u00e4nner!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">Eine Novelle von Rohan Stefan Nandkisore<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist noch fr\u00fch am Morgen als Bernadette sich zum Ufer des nahen Flusses aufmacht. Die Hitze des vorangegangenen Tages war durch ein heftiges Gewitter beendet worden und die darauf folgende K\u00fchle der Nacht hat bei Sonnenaufgang eine Nebelbank \u00fcber der Seine entstehen lassen. Bernadette ist die erste, die sich zum W\u00e4sche waschen aufgemacht hat. Ein fr\u00f6hliches Lied tr\u00e4llernd geht sie an ihre Arbeit, denn es sieht ganz so aus als w\u00fcrde es heute wieder ein sch\u00f6ner Tag werden. Die Stille, die den Fluss umgibt, f\u00e4llt ihr nicht auf. Kein Vogel, keine Katze ist in der N\u00e4he und weder nah noch fern kr\u00e4ht ein Hahn, ganz so als w\u00e4re diese Stille Vorbote dessen, was sich im Nebel auf der Seine, noch unsichtbar f\u00fcr Bernadette, zusammenbraut. Nordm\u00e4nner oder Wikinger, wie sie sp\u00e4ter voll Furcht und Grauen genannt wurden, haben vor langer Zeit ihre Heimat verlassen und sich zusammen geschlossen um auf Raubz\u00fcge zu gehen. Sie waren nicht freiwillig gegangen, sondern gezwungenerma\u00dfen. Das Land ihrer Familien in ihrer Heimat konnte sie nicht ern\u00e4hren, das Erbe war aufgeteilt worden und sie waren au\u00dfen vor geblieben. Als Knechte auf den H\u00f6fen ihrer V\u00e4ter und Br\u00fcder wollten sie nicht arbeiten. Zu stolz waren sie als dass sie solch niederen Dienst h\u00e4tten ertragen k\u00f6nnen. Die ungesch\u00fctzten Ufer Britanniens und Irlands geh\u00f6rten zu den ersten verlockenden Gestaden, wo es reichlich Beute zu holen gab und wo sie die \u00fcberlegene Technologie ihrer Boote zu ihrem Vorteil nutzen konnten. Dies war aber nur der Anfang, denn schon bald kamen ihnen auch die D\u00f6rfer an den K\u00fcsten Europas und an deren befahrbaren Fl\u00fcssen f\u00fcr ihre Beutez\u00fcge gelegen. Die Wetterlage ist ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Nordm\u00e4nner. Im Schutze des Nebels gelingt es ihnen, unbemerkt ganz nahe an die Ortschaft in einem Tal der Seine heranzukommen. Sie sind weit ins Landesinnere vorgedrungen und Paris ist nicht mehr fern. Insgesamt sind es drei\u00dfig Langboote mit ebenso vielen mit Schwertern und Beilen bewaffneten Wikingern an Bord eines jeden Bootes. Diese Boote sind Meisterwerke ihrer Zeit, die den St\u00fcrmen der Nordsee und des Nordatlantiks trotzen. Perfekt angepasst an das Element Wasser gleiten sie ihrem Ziel zu, w\u00e4hrend die Ruder fast lautlos durch das Wasser gleiten. Als Bernadettes Blick zur Nebelbank schweift, ist es schon fast zu sp\u00e4t um zu reagieren. Nur wenige Meter vor ihr taucht pl\u00f6tzlich eine Bugspitze aus dem Nebel auf. Fast wie gel\u00e4hmt vor Angst starrt sie einen Moment lang auf die Helme der kampfbereiten Meute an Bord. Einige haben sich mit Berserkerpilzen (gemeiner Fliegenpilz) in Stimmung gebracht um das blutige Handwerk leichter von der Hand gehen zu lassen. Ist es die W\u00e4sche in ihren H\u00e4nden und ihr fr\u00f6hlicher Gesang bei der flei\u00dfigen Arbeit, der ihnen schon geraume Zeit von Weitem in den Ohren klang, dass selbst diese Raubeine Respekt vor ihr haben oder \u00fcbergehen sie das M\u00e4dchen, von dem ja ohnehin nicht viel zu holen ist, ganz einfach? Soviel ist sicher: sp\u00e4ter, wenn ihr Raubzug erfolgreich beendet sein w\u00fcrde, dann n\u00e4hmen sie Bernadette gern als Beute mit. Jetzt aber f\u00fcgt ihr dieser erste Ansturm am Ufer keinen Schaden zu. Sie sind nicht zum ersten Mal hier. Das Grauen, das sie verbreiten, hinterl\u00e4\u00dft einen nachhaltigen Eindruck, so dass bis ins 19. Jahrhundert hinein in den Kirchen F\u00fcrbitten abgehalten wurden, deren Wortlaut den Geistlichen noch heute bekannt ist: \u201e \u2026und bewahre uns vor dem Zorn der Nordm\u00e4nner.\u201c Der Schrecken der Wikinger-Raubz\u00fcge endete bereits im 10. Jahrhundert, aber die Erinnerung daran hat sich fast ein Jahrtausend lang in die Herzen der Menschen eingebrannt. Bernadettes erster Schock wandelt sich in gro\u00dfe Sorge um ihre Familie, die nur wenige H\u00e4user vom Ufer entfernt wohnt. Sie rennt so schnell sie kann in einem Bogen an der Horde vorbei und erreicht ihre H\u00fctte noch vor den Wikingern. Aber wie soll sie es schaffen, ihre Angeh\u00f6rigen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen? Sie schreit durch die Gassen, dass die Nordm\u00e4nner gekommen sind. Es gelingt ihr, die Leute zu warnen, so dass diese buchst\u00e4blich Hals \u00fcber Kopf ihre H\u00e4user verlassen und um ihr Leben rennen und sich im unwegsamen Hinterland in Sicherheit bringen. Au\u00dfer ein paar Schrammen und kaum nennenswerten Wunden ist den Angreifern die \u00dcberraschung gelungen und sie machen reichlich Beute. Lange halten sie sich jedoch nicht auf und so schnell sie gekommen waren, rudern sie nach weniger als einem halben Tag mit ihren schwer beladenen Booten wieder in Richtung M\u00fcndung fort.<\/p>\n\n\n\n<p><em>*Alle Inhalte dieses Blogs sind urheberrechtlich gesch\u00fctzt und Eigentum des Betreibers. Kopieren und Verbreitung des Inhalts kann nur bei einer schriftlichen Genehmigung und Zahlung der entsprechenden Geb\u00fchr genehmigt werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Novelle von Rohan Stefan Nandkisore Es ist noch fr\u00fch am Morgen als Bernadette sich zum Ufer des nahen Flusses aufmacht. Die Hitze des vorangegangenen Tages war durch ein heftiges Gewitter beendet worden und die darauf folgende K\u00fchle der Nacht hat bei Sonnenaufgang eine Nebelbank \u00fcber der Seine entstehen lassen. 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