BORNHOLM Kinderfreundlicher Urlaub auf der Sonneninsel inmitten der Ostsee

Bornholm ist seit jeher eine gastfreundliche Insel und liegt mitten in der Ostsee wie eine natürliche Haltestelle. Vollständig von Wasser umgeben, sind es nur dreißig Kilometer von Küste zu Küste, mit jede Menge Platz für Gäste und jede Menge Raum für Urlaub.

Im Norden ist die dramatische Felsenküste die große Attraktion, im Süden laden mehr als vierzig Kilometer kinderfreundliche Sandstrände zum Spielen und Badevergnügen ein. Und in der Mitte der Insel liegt Almindingen, einer der größten und schönsten Wälder Dänemarks.

Alles ist bereit für den Urlaub, für Erholung, Erlebnisse, gemütliches Beisammensein und Stunden, die einfach so verfliegen. Eine der besten Fortbewegungsmöglichkeiten ist das Fahrrad. Probieren Sie es aus und mieten Sie eines. Machen Sie einen Ausflug.

Bornholm verfügt über 230 Kilometer Radwege, auf denen Sie entweder auf alten Eisenbahntrassen mitten durch die Natur oder auf kleinen Pfaden durch Wälder fahren können, wo alles Geborgenheit und Ruhe ausstrahlt. Und nicht zu vergessen: Auf Bornholm sind die Entfernungen nie groß.

Die Insel ist voller Angebote für spannende Erlebnisse für Groß und Klein, bei denen oftmals die Natur eine große Rolle spielt. Ein wenig außerhalb von Gudhjem fordert der HighPark Bornholm Sie und Ihre Familie mit vier verschiedenen Kletterparcours hoch oben in den Bäumen heraus. Spüren Sie die Aufregung im Bauch, stellen Sie sich Ihrer Höhenangst und fühlen Sie die Schweißperlen auf der Stirn. Eine Herausforderung für Ausdauer, Mut und Willensstärke in einer wunderschönen Umgebung, geeignet für Spielkinder jeden Alters.

Erleben Sie NaturBornholm und entdecken Sie die faszinierenden Funde aus der Natur. Womöglich ist es schwer vorstellbar, dass Bornholms Natur einst die Heimat von Riesenschildkröten, Krokodilen, gigantischen Farnpflanzen und lebensgefährlichen, blitzschnellen Raubdinosauriern war und dass hier Erdbeben stattgefunden haben.

Das Aktivitätszentrum NaturBornholm in Aakirkeby erzählt die Geschichte jener Zeit, als Bornholm in einem Inferno aus Asche und flüssiger Lava entstand, und inszeniert die einzigartige Natur der Insel mit Worten, Klängen, Gerüchen und einer Vielzahl von Aktivitäten.

Besuchen Sie den Freizeitpark Joboland, etwas außerhalb von Svaneke gelegen, in dem sich die Bornholmer seit mehr als hundert Jahren vergnügen. Heute bietet der traditionsreiche Park eine einzigartige Kombination aus Tierpark, Spieleland, Blumenpark, Ruderbootfahren und einem großen Aquapark mit Rutschen, die zu den schönsten Dänemarks zählen.

Erwähnenswert sind auch die gemütlichen Küstenorte Gudhjem, Svaneke, Listed und Bølshavn. Svaneke gilt als eines der hübschesten Städtchen Dänemarks und hält einen dänischen Rekord bei den Sonnenstunden. Bauernstände mit Kartoffeln, Gemüse, Beeren und Pilzen sowie handgefertigte Bonbons, Lakritz, Eis und Schokoküsse laden ebenso zum Bummeln und Einkaufen ein wie die offenen Werkstätten von Glasbläsern und Keramikern.

Auch die frei lebenden Schweine, der Bisonwald, der Raubvogelpark, das Mittelalterzentrum und die Burgruine Hammershus bieten eine Vielzahl an Erlebnismöglichkeiten.

Kommen Sie einfach mit den Kindern nach Bornholm. In weniger als vier Stunden sind Sie hier! Die Überfahrt von Sassnitz auf Rügen nach Rønne auf Bornholm dauert nur 210 Minuten. Oder anders gesagt: drei Runden mit dem Lieblingsbrettspiel der Familie.

Im Fährshop FærgenShop können Sie Ihren Aufenthalt bequem buchen und Erlebnisse reservieren. Und schon sind Sie auf dem Weg nach Bornholm.

Ilulissat – Am Geburtsort der Eisberge

Der Eisfjord ist Schauplatz eines der gewaltigsten Naturspektakel der nördlichen Hemisphäre. Hier kalben im Stundentakt Eisberge. Höchstwahrscheinlich entstand hier auch jener Eisberg, der der Titanic zum Verhängnis wurde. Nachdem er Grönland umrundet hatte, brachte er bei seinem tragischen Rendezvous eines der größten technischen Meisterwerke seiner Zeit innerhalb weniger Stunden zum Sinken.

Wie wohl bei den meisten Reisenden, die erstmals nach Grönland aufbrechen, stellte sich auch für mich die Frage: Wohin auf einer Insel mit 2,1 Millionen Quadratkilometern Fläche?

Eine Empfehlung, die ich bereits im Vorfeld aus Grönland erhalten hatte, lautete: Ilulissat, nördlich des Polarkreises gelegen. Der Name bedeutet übersetzt „Eisberge“ und könnte kaum treffender sein.

Die wärmsten Kleidungsstücke wurden zusammengesucht, und die Reise begann. Über Kopenhagen ging es mit Air Greenland nach Kangerlussuaq, dem „langen Fjord“. Hier befindet sich der wichtigste internationale Flughafen Grönlands mit einer Landebahn, die auch Großraumflugzeuge aufnehmen kann. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt vier Stunden und entspricht damit in etwa der Flugzeit.

Sonnenschein und Tauwetter empfingen uns bei der Ankunft. Im Sommer sind Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius im Schatten hier keine Seltenheit.

Am nächsten Tag flogen wir in nur 45 Minuten weiter nach Norden in Richtung Ilulissat. Das Wetter zeigte sich hier deutlich grönländischer, doch auch hier begann der Schnee bereits zu schmelzen. Der Ort zählt etwa 5.000 Einwohner und vermutlich ebenso viele Schlittenhunde. Katzen sollten daher besser zu Hause bleiben.

Besonders faszinierend sind diese halbwild gebliebenen Hunde, die bis heute nicht vollständig vom Schneemobil verdrängt wurden. Ich konnte es mir nicht verkneifen, mit einem vorbeistolzierenden Welpen Freundschaft zu schließen. Anfangs scheu, dann jedoch umso verspielt, eroberten diese kleinen Kerle schnell mein Herz.

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn sich eine Mutterhündin in der Nähe befindet oder die Welpen noch sehr jung sind. Ebenso sollte man die Reichweite der Ketten, an denen die Hunde angebunden sind, nicht betreten, denn dort beginnt ihr Revier. Im Ernstfall gehorchen die Tiere ausschließlich ihrem Besitzer.

Ich selbst nahm es mit diesen Regeln nicht allzu genau und marschierte prompt mitten durch eine Hundesiedlung. Ein kräftiger Rüde testete mein Verhalten mit einigen angedeuteten Sprüngen und Scheinangriffen, doch meine Dreistigkeit blieb letztlich unbestraft.

In gewisser Weise erinnern die Hunde an Islandpferde: intelligent, zuverlässig und dennoch bis zu einem gewissen Grad immer noch wild geblieben.

Zu bestimmten Tageszeiten wird der gesamte Ort vom Heulen der Hunde erfüllt. Das an Wölfe erinnernde Konzert gehört zu den eindrucksvollsten Klangerlebnissen Grönlands.

Die Inuit bewohnen Grönland seit Jahrtausenden. Bis vor wenigen Jahrzehnten lebten sie in enger Gemeinschaft mit ihren Hunden, die ihnen über Generationen hinweg als einziges Transportmittel dienten. Auch heute spielen die Tiere noch eine wichtige Rolle im Alltag vieler Menschen.

Das schmelzende Eis und die ständig kalbenden Eisberge vor den Toren Ilulissats bringen große Mengen Sauerstoff in das Meerwasser. Dadurch entsteht eine äußerst produktive Nahrungskette mit entsprechend reichem Fischbestand. Schwarzer Heilbutt und Krabben aus dem benachbarten Eisfjord werden mit Kuttern und kleinen Booten gefangen und anschließend im Hafen für den Export verladen.

Im Winter, wenn die Eisverhältnisse den Schiffsverkehr erschweren oder unmöglich machen, werden die Waren eingefroren und bis zum Frühjahr eingelagert.

Über viele Jahre lebten in Ilulissat die deutsche Grönlandkennerin Elke Meissner und ihr Partner Dieter Zillmann. Beide machten die Region zahlreichen Besuchern zugänglich und organisierten Ausflüge in die benachbarte Siedlung Rodebay. Dort konnten Gäste das Leben der Einheimischen aus unmittelbarer Nähe kennenlernen, traditionelle Lebensweisen erleben und eine der von Grönländern geführten Gaststätten besuchen.

Während der etwa einstündigen Bootsfahrt von Ilulissat nach Rodebay eröffneten sich ständig wechselnde Ausblicke auf gewaltige Eisriesen. Die Eisberge erschienen in unterschiedlichsten Formen und Farben, mal schneeweiß, mal leuchtend blau, mal durchsetzt von dunklen Gesteinsschichten. Gleichzeitig vermittelte Dieter Zillmann mit beeindruckender Detailkenntnis die Besonderheiten dieser einzigartigen Landschaft.

Wurde die Strecke mit seinem schnellen Privatboot zurückgelegt, verkürzte sich die Fahrzeit deutlich. Doch sobald sich die Eisberge zu dichtem Packeis zusammenschoben, kamen selbst starke Motoren an ihre Grenzen. Dann waren nicht mehr Geschwindigkeit und Pferdestärken gefragt, sondern Erfahrung, Geschick und starke Nerven.

Das ist Grönland.

Auch unsere Rückfahrt von Rodebay nach Ilulissat wurde zeitweise vom Packeis blockiert. Immer wieder schien der Weg versperrt. Schließlich fand der Steuermann jedoch eine sichere Route zurück zum Hafen.

„Das ist hier ganz normal“, kommentierte Dieter Zillmann gelassen.

Fünfzig Jahre unabhängige färöische Postgeschichte: Wandel, Wege und Verbindungen

Am 1. April 1976 ging die Verantwortung für die Postdienste auf den Färöern offiziell an die färöischen Behörden über. Bis dahin war der färöische Postdienst Teil des dänischen Systems: Die dänische Post war für sämtliche Postsendungen von und zu den Inseln zuständig und übernahm auch die Zustellung zwischen den Dörfern und Inseln innerhalb des Archipels.

Bereits ein Jahr vor der Übergabe, am 30. Januar 1975, gab die dänische Post eine Serie färöischer Briefmarken heraus – allerdings noch mit dänischen Stempeln. Als die färöischen Behörden den Postdienst übernahmen, wurde dieser historische Moment mit der Ausgabe neuer färöischer Marken gefeiert, diesmal mit färöischen Poststempeln. Die Öffentlichkeit konnte Umschläge mit diesen Marken erwerben, versehen mit dem „Ersttag“ (1. April 1976). Viele nutzten die Gelegenheit, solche Ersttagsbriefe zu sammeln.

Inzwischen sind fünfzig Jahre vergangen – eine Zeit tiefgreifender Veränderungen auf den Färöern, sowohl in der Infrastruktur zwischen Dörfern und Inseln als auch in der Kommunikation zwischen Menschen. In vielen kleinen Dörfern und auf den kleineren Inseln waren die Telefonverbindungen damals nur halbautomatisch. Zwar verfügte jeder Haushalt über ein eigenes Telefon mit eigener Nummer, doch musste man zunächst die örtliche Vermittlung anrufen und die gewünschte Nummer erbitten. Die Telefonistin stellte dann die Verbindung her.

So sah die Telekommunikation in weiten Teilen der Färöer aus, als der Postdienst übernommen wurde. Der Alltag war nicht von einem ständigen Nachrichtenfluss geprägt wie heute. Telefongespräche waren begrenzt, und Nachrichten erhielt man über Radio und Zeitungen. Daher abonnierten viele Haushalte mindestens eine Zeitung, oft sogar mehrere.

Neben Zeitungen waren auch Wochenzeitschriften weit verbreitet – meist dänische Titel wie Familie Journal, Billedbladet oder Hjemmet. Sie waren keine klassischen Nachrichtenmagazine, enthielten aber kurze Berichte über internationale Ereignisse, reich bebildert und leicht zugänglich. All dies kam per Post ins Haus und brachte sowohl färöische als auch internationale Nachrichten direkt zu den Menschen.

Regelmäßig trafen auch Preislisten ein, etwa von „Daells Varehus“ oder „Cykelfabrikken Sport“ aus Dänemark, gelegentlich auch deutsche Kataloge wie „Quelle“. Bestellungen erfolgten per Formular: Man trug die Referenznummern der gewünschten Artikel sowie Name und Adresse ein, legte das Formular in den beigelegten Rückumschlag und schickte es ab. Das Porto war für die Kundinnen und Kunden kostenlos – der Empfänger übernahm die Kosten.

Für die historische Forschung sind persönliche Briefe eine wertvolle Quelle. Sie geben Einblick in Gedanken, Alltagsroutinen und Lebensumstände, die damals selbstverständlich waren, sich aber im Laufe der Zeit verändert haben. Moderne Technologien – Mobiltelefone, Internet und weltweite Kommunikation – haben den Brief weitgehend verdrängt. Heute stehen Telefon und Internet jederzeit zur Verfügung, und Grüße oder Glückwünsche werden elektronisch übermittelt, etwa über Facebook oder Messenger. Der Brief hat sich nach und nach zurückgezogen.

Doch hin und wieder landet noch eine Postkarte im Briefkasten – ein Bote aus der Vergangenheit, eine Erinnerung daran, wie Kommunikation funktionierte, bevor die Fernverbindungen in Sekunden möglich wurden.

Vor allem die Zeit vor Weihnachten war einst etwas ganz Besonderes: große Mengen an Post trafen ein. Neben Paketen aus verschiedenen Orten brachten kunstvoll gestaltete Weihnachtskarten Wärme in die Häuser, während das gedämpfte Winterlicht über den Inseln lag, Schnee wie weiße Bänder über die Hügel zog und die Brandung gegen die Klippen schlug. Fast täglich kamen Karten mit Grüßen von Familie, Freunden und Bekannten. Für viele gehörte das Versenden und Empfangen von Weihnachtskarten fest zu den Feiertagsvorbereitungen – trotz aller Aufgaben fand man Zeit für diese Grüße, die über Inseln und Dörfer hinweg per Post reisten.

So sah das Leben aus, als der färöische Postdienst gegründet wurde. Seither hat sich die Gesellschaft stark verändert. Reisen, die früher einen ganzen Tag oder länger dauerten, sind durch Straßen, Tunnel und Unterseeverbindungen erheblich schneller geworden. Auch die Kommunikation hat sich gewandelt: Elektronische Nachrichten erreichen ihr Ziel in Sekunden. Was einst Tage dauerte, geschieht heute sofort. Preislisten sind weitgehend verschwunden, ersetzt durch Online-Shopping; die meisten Geschäfte betreiben inzwischen eigene Webseiten. All diese Veränderungen betreffen auch den Postdienst. Reale Gegenstände müssen jedoch auch weiterhin wirklich transportiert werden – und Posta steht mit Personal und Fahrzeugen bereit, um Waren überallhin zu liefern.

Die Herausgabe von Briefmarken war von Anfang an ein traditioneller Bestandteil des färöischen Postdienstes. Die ersten Marken mit färöischem Poststempel wurden am 1. April 1976 entwertet. Im Laufe der Jahre haben zahlreiche Künstlerinnen und Künstler Motive gestaltet. Die Themen waren vielfältig und spiegelten oft Aspekte der färöischen Gesellschaft wider: Schiffe, Vögel, Landschaften. Manche Ausgaben waren nationalen Feiertagen oder besonderen Ereignissen gewidmet, viele zeigten Kultur und Geschichte der Färöer. Seit der ersten färöischen Stempelung vor fünfzig Jahren sind mehr als eintausend Briefmarken erschienen.

Seit 1915 wurde die Post zweimal wöchentlich vom Postamt in Sørvágur auf der Insel Vagar nach Bøur und Gásadalur zugestellt. Der damals zwanzigjährige Jákup Andreas Henriksen, genannt Dia, übernahm diese Route und blieb ihr bis zu seinem achtzigsten Geburtstag im Jahr 1975 treu.

Ab März 1976 führte Solberg Henriksen, Dias Sohn, die Zustellung offiziell weiter. Tatsächlich hatte er die Strecke zwischen Gásadalur und Bøur bereits rund fünf Jahre lang für seinen Vater übernommen, da diesem der beschwerliche Weg über den Berg zunehmend zu anstrengend geworden war.

Solberg Henriksen beendete seinen Dienst am 31. Dezember 1992. Am 1. Januar 1993 trat Karl Mikkelsen, Solbergs Neffe, die Nachfolge an und blieb Postzusteller bis 2006, als ein Tunnel Gásadalur erstmals ganzjährig mit dem Rest der Insel verband.

Islands einzigartige Badekultur des Nordens

Es ist ein Bild, das wie gemalt wirkt: Inmitten einer schneebedeckten Lavalandschaft rauchen Becken mit milchig-blauem Wasser, Menschen liegen entspannt darin, während um sie herum der eisige Wind peitscht. Willkommen in Islands Badekultur – einem Ritual, das weit mehr ist als bloße Körperpflege. Es ist gelebte Identität und Tradition der Isländer an einem Ort, an dem alle gleich sind.

Die heißen Quellen, bedeutendes Natur- und Kulturgut 

Schon die ersten Siedler, die vor über 1100 Jahren mit ihren Booten an Islands Küsten landeten, erkannten den Schatz, auf dem sie angekommen waren: Geothermische Quellen, die direkt aus der Erde sprudeln. Während sie in ihrer norwegischen Heimat noch mühsam Wasser für ein warmes Bad erhitzen mussten, bot ihnen Island dies in der Natur. Die heißen Quellen wurden rasch zu geschätzten Orten der Reinigung, der Heilung und Geselligkeit.

Besonders faszinierend ist die Geschichte von Snorri Sturluson, dem berühmten Historiker und Dichter des 13. Jahrhunderts. Er war so begeistert von der Badekultur, dass er sich in Reykholt ein eigenes Thermalbecken bauen ließ, das Snorralaug. Damit nicht genug: Er ließ sogar einen Tunnel von seinem Haus direkt zum Becken graben, um ungesehen und geschützt in sein geliebtes Bad zu gelangen. Unglücklicherweise ereilte ihn in diesem Gang auch der Tod, nachdem er einen verhängnisvollen diplomatischen Weg in Norwegen eingeschlagen hatte. Das Becken ist noch heute dort und das Wasser bei meinem letzten Besuch war immerhin lauwarm und aus Respekt bleibt es ungenutzt.

Grettislaug ist ein weiteres historisches Bad, in dem der Saga Held Grettir, nachdem er von der Insel Drangey durch den Skagafjördur geschwommen war, sich dort in einer warmen Quelle erholte. Auch sein Leben nahm ein gewaltsames Ende.

Diese uralte Verbindung zwischen Mensch und heißem Wasser ist bis heute lebendig. Als hätte die Insel aus Feuer und Eis ihren Bewohnern ein Versprechen gegeben: Egal wie kalt und dunkel der Winter wird – die Erde wird euch wärmen.

Mehr als nur ein Schwimmbad: Das Sundlaug als Ort der Begegnung

Wer Islands Seele verstehen will, sollte ein Sundlaug, ein öffentliches Schwimmbad besuchen. Nicht eines der glamourösen Spa-Tempel, die inzwischen weltbekannt sind, sondern das kleine Becken am Rande eines Fischerdorfes. Hier zeigt sich das wahre Island. Über 160 öffentliche Bäder gibt es im ganzen Land, und sie sind weit mehr als Orte der Hygiene oder des Sports.

Das Schwimmbad ist oft das Herzstück der Gemeinde. Im Whirlpool kann man sich unverkrampft in einem Gespräch mit dem Bürgermeister wiederfinden, das von lokaler Politik bis zu den banalsten Themen reicht. Hier, im dampfenden Wasser, verschwinden die Unterschiede. Der Anzugträger und der Bauarbeiter, die Ärztin und die Rentnerin – sie alle sitzen einträchtig nebeneinander, das Thermometer zeigt angenehme 38 Grad, während gleichzeitig vielleicht Schneeregen auf die erhitzten Köpfe fällt. 

Diese einzigartige soziale Institution wurde sogar von der UNESCO 2025 als immaterielles Kulturerbe anerkannt – eine Würdigung, die sie in eine Reihe mit der finnischen Sauna stellt.

Die heiligen Regeln: Vom respektvollen Miteinander

Doch wer in diese Welt eintauchen möchte, muss sich auf klare Rituale einlassen. Die Isländer nehmen ihre Baderegeln ernst – sie sind der Schlüssel zu einem hygienischen und harmonischen Miteinander. Die erste und wichtigste Regel: Nackt duschen und abseifen vor dem Baden, bevor man die Badekleidung überstreift – und zwar in Gemeinschaftsduschen, nach Geschlechtern getrennt. In manchen größeren Bädern überwachen sogar Aufsichtspersonen den Duschbereich um sicherzustellen, dass wirklich jeder diese Hygieneregeln beachtet.

Weitere Gebote: Straßenschuhe bleiben vor der Umkleide, Fotos sind in den Kabinen tabu, und nach dem Bad trocknet man sich gründlich ab, bevor man zurück in den Umkleideraum geht.

Zwischen Luxus und Wildnis: Die Badeplätze Islands

Die Bandbreite der Bademöglichkeiten ist atemberaubend. Da sind zunächst die weltberühmten Spas: Die Blaue Lagune bei Grindavík, und Jardbödin am Mückensee (Myvatn), diese locken mit ihrem von Silikat blau schimmerndem Wasser und wohltuenden Mineralien. In den vergangenen Jahren sprossen neue Wellness Bäder wie Pilze nach dem Regen aus der Erde. 

Es gibt auch die versteckten Naturbäder. Die Reykjadalur-Thermalquelle nahe Hveragerdi erreicht man nur nach einer dreieinhalb Kilometer langen Wanderung durch eine dampfende Landschaft und erlebt am Ziel eine angenehme Belohnung für die Mühe. Noch abgelegener ist das Krossneslaug in den Westfjorden, der so abgeschieden liegt, dass man nur in den Sommermonaten hinkommt – und manchmal mit Walsichtungen belohnt wird.

Im Schoß von Mutter Natur: Vom Kindesalter bis ins hohe Alter

Die Badekultur beginnt in Island früh. Schwimmen ist Pflichtfach von der ersten bis zur zehnten Klasse. Jedes Kind lernt, sich im Wasser sicher zu fühlen. Viele Isländer haben ihr „Stammbecken“, besuchen es täglich oder wöchentlich, manche haben sogar ihren festen Platz im Whirlpool oder eine Lieblingszahl für den Spind, insbesondere Senioren entkommen hier der Einsamkeit des Alterns und verbringen gerne Zeit mit plaudern in wohliger Umgebung.

Besonders gefällt es mir, mich bei eisigen Temperaturen im Schnee zu wälzen und danach die Wärme des heißen Potts wie Nadelstiche bei der Akupunktur zu genießen. Dieses Gefühl – in dampfend warmem Wasser zu liegen, während die Elemente alles andere als zum Baden einzuladen scheinen, ist vielleicht die reinste Form isländischen Lebensgefühls.

Eintauchen und ankommen

Für Gäste ist das Bad mehr als eine touristische Attraktion. Es ist eine Einladung, Teil der Gemeinschaft zu werden, ob im luxuriösen Spa, im versteckten Naturpool oder im kommunalen Schwimmbad eines 300-Seelen-Dorfes. Wer sich auf die Regeln einlässt und kontaktfreudig ist, dem öffnet sich eine sonst verborgene Welt, in der das heiße Wasser nicht nur den Körper wärmt, sondern auch die Herzen der Menschen einander näherbringt. Entspannt plaudern hier die sonst eher wortkargen Isländer und niemand scheut sich, im heißen Pott Fremde anzusprechen.

Seien sie willkommen in Islands blauen Kathedralen. Ziehen Sie Ihre Schuhe aus, duschen Sie gründlich – und tauchen Sie ein ins wärmende Nass.

Sodankylä und seine acht Jahreszeiten         Ein Interview mit Laura Saarinen

  1. Sodankylä beschreibt sich selbst als Destination mit „acht Jahreszeiten“. Was bedeutet dieses ungewöhnliche Konzept für Besucher, und welche dieser Jahreszeiten ist für internationale Reisende noch weitgehend unentdeckt?

In Finnland teilen wir das Jahr üblicherweise in vier Jahreszeiten ein. Die Sámi, eine kleine indigene Gruppe im Norden Finnlands mit eigener Sprache und Kultur, gliedern das Jahr traditionell in acht Jahreszeiten, orientiert am Lebenszyklus der Rentiere und deren Verhalten in der Natur.

Diese acht Jahreszeiten umfassen Winter, Winterfrühling, Frühling, Frühlingsommer, Sommer und den Beginn des Herbstes. Zum Beispiel wird der Winter in zwei Teile gegliedert: den ersten Schnee, wenn Rentiere Kräuter unter dem Schnee fressen, und den späteren Teil des Winters, der in den Frühling übergeht.

Während internationale Besucher vor allem Frühling und Winter entdeckt haben, die hier sehr beliebt sind, bleiben andere Phasen wie die herbstliche Paarungszeit der Rentiere oder die ruhigen Übergangszeiten weitgehend ungenutzt. Sodankylä ist zudem eine sehr große Region, größer als Helsinki, mit mehr als zwei Stunden Fahrzeit von einem Ende zum anderen. Viele passieren uns nur auf dem Weg nach Norden, obwohl einige Luosto zum Skifahren oder unsere Wanderwege kennen. Die acht Jahreszeiten helfen Besuchern, die Natur und den lokalen Rhythmus tiefer zu verstehen.

  1. Sodankylä liegt zwischen den Nationalparks Pyhä-Luosto und Urho Kekkonen. Wie kann die Region mehr Besucher für ihre bemerkenswerte Natur gewinnen, ohne dass der Tourismus diese sensiblen Umgebungen gefährdet?

Das ist eine Abwägung, die wir täglich vornehmen. Mit dem Klimawandel müssen wir unsere Naturschätze schützen, wie etwa den Urho-Kekkonen-Nationalpark. Wir versuchen, Besucher anzuziehen, die Natur bereits in ihrer Heimat respektieren.

Geografisch ist Sodankylä etwas abgelegen, was bedeutet, dass Massentourismus uns nicht so schnell erreicht wie andere Gebiete. Menschen suchen zunehmend nach „Cool-cations“, da Südeuropa heißer wird, und fahren ganz in den Norden. Wir versuchen nicht aktiv, massives Wachstum zu fördern, da die Einheimischen mit den aktuellen Besucherzahlen allgemein zufrieden sind.

Durch unser Projekt „Sodankylä 2.0″ wollen wir eine nachhaltige Mitte zwischen Einheimischen und Reisenden finden. Wir heißen Besucher willkommen, erinnern sie aber auch daran, lokale Grenzen zu respektieren, zum Beispiel nicht an die Türen der Bewohner zu klopfen, da finnische Menschen ihre Privatsphäre schätzen.

  1. Ihr neues Projekt „Sodankylä Tourism 2.0″ adressiert Klimaanpassung im Tourismus. Was sind derzeit die größten klimabedingten Herausforderungen für den Tourismus in der finnischen Lappland?

In der finnischen Lappland ist unsere Luft sauber und unverunreinigt, und wir stehen nicht vor den gleichen Massentourismus-Herausforderungen wie Städte wie Paris. Klimabedingte Herausforderungen konzentrieren sich jedoch auf die Auswirkungen, die Reisende hinterlassen. Wälder in Finnland sind für uns so wertvoll wie Weinberge in Frankreich, daher ist es entscheidend, Müll zu vermeiden und Umweltfußabdrücke zu minimieren.

Interessanterweise ist Lappland in gewisser Hinsicht ein Gewinner des Klimawandels. Wärmere Sommer bedeuten weniger Mücken, und Reisende, die europäischen Hitzewellen entfliehen, kommen nach Norden, um kühlere Luft zu suchen. Mücken treten hauptsächlich während eines kurzen Zeitraums von etwa zwei bis drei Wochen im Hochsommer auf. Bis Anfang September verschwinden sie vollständig, und sobald der Winterschnee kommt, sind Mücken überhaupt kein Thema mehr.

  1. Rentierhaltung, Fischerei und andere traditionelle Erwerbsformen sind tief in der Region verwurzelt. Wie können Besucher diese Traditionen auf authentische Weise erleben, ohne die lokale Kultur zu einer Touristen-Show zu machen?

Wir haben einen guten Mittelweg gefunden. Lokale Hirten und Anbieter, die kommerzielle Erlebnisse anbieten möchten, pflegen aktualisierte Websites, über die Besuche auf Rentierhöfen oder geführte Angeltouren direkt online gebucht werden können. Diejenigen, die nicht am Tourismus teilnehmen möchten, bieten einfach keine Dienstleistungen an.

Weil Sodankylä keine Mega-Attraktionen wie einen Eiffelturm oder norwegische Fjorde hat, bleiben die Erlebnisse bodenständig. Lokale Unternehmer, die Touren anbieten, sind oft selbst gereist, daher wissen sie, wie sie ihre authentische Lebensweise internationalen Gruppen klar und respektvoll vermitteln können.

  1. Sodankylä arbeitet daran, den Tourismus über die traditionelle Winter- und Nordlicht-Saison hinaus zu entwickeln. Welche Erlebnisse oder Aktivitäten könnten Ihrer Meinung nach für deutsche Reisende 2027 besonders attraktiv sein?

Ganz klar das Midnight Sun Film Festival. Wir sprechen davon als dem „Geist Sodankyläs“, wo man Filme schauen, lokales Essen genießen und den Marktplatz mitten in der Stadt besuchen kann. Obwohl es ein Festival ist, fühlt es sich wie hochkarätige Kultur kombiniert mit lokalem Essen an.

Ich würde es nicht vom Umfang mit dem Oktoberfest vergleichen, aber die Atmosphäre könnte ähnlich sein. Wir haben auch viele Reisende, die mit Campern kommen. Wir haben sehr schöne Campingplätze, wo man sein Auto parken, die Sauna genießen, ein oder zwei Bier in den lokalen Restaurants jenseits des Flusses trinken, Beachvolleyball spielen und in der klaren Natur ohne Eile herumlaufen kann. Wir haben keine McDonalds oder kommerzialisierten Ketten. Man kann grillen und die Natur genießen.

Sodankylä bietet die Dienstleistungen einer Stadt in einem kleinen, kompakten Paket. Man kann herumlaufen, Fotos von der Landschaft machen und sogar halb-freundliche Rentiere haben, die mit einem in Richtung Supermarkt laufen. Es ist ein großartiges Gleichgewicht zwischen Natur und Stadtleben. Wir veranstalten auch einzigartige Events wie den Goldwasch-Wettbewerb jeden Sommer und das Midnight Sun Film Festival. Die Stadt und ihre Menschen haben wirklich eine einzigartige Ausstrahlung.

  1. Welche Rolle kann die Digitalisierung im nachhaltigen Tourismus spielen? Anhand der Daten Ihres EU-Projekts zu Besuchern, Bedürfnissen und Trends, wie wird Sodankyläs Entwicklung als Destination gelenkt?

Unsere Lage ist einer unserer größten Vorteile. Wir nutzen Sodankylä als ruhige, authentische Alternative zu großen Tourismus-Hubs wie Levi oder Saariselkä. Zentral in Lappland gelegen, sind wir ein idealer, nachhaltiger Zwischenstopp für Reisende, die mit Campervan oder Auto weiter nach Norden fahren. Gleichzeitig nutzen wir die Sensibilität unserer arktischen Umwelt, um Besucher von Anfang an über die Schonung von Ressourcen aufzuklären, wie etwa beim bewussten Umgang mit Wasserverbrauch.

Die Daten aus unserem EU-Projekt helfen uns genau zu verstehen, welche Gäste wann kommen, welche Bedürfnisse sie haben und wie wir Infrastruktur und Angebote so steuern können, dass sie sowohl für Einheimische als auch für die Umwelt tragbar bleiben.

  1. Das Heimatmuseum von Sodankylä bewahrt unter anderem Gebäude aus dem ehemaligen Dorf Riesto, das nach dem Bau des Lokka-Stausees überflutet wurde. Welche Geschichten aus der Vergangenheit sind besonders wichtig, damit Besucher Sodankylä heute verstehen?

Der Schlüssel ist kontinuierlicher Dialog. Wir pflegen enge Kommunikation mit den Sámi und lokalen Gruppen, um ihre Grenzen zu respektieren und gemeinsam zu entscheiden, wie ihre Kultur präsentiert werden sollte. Ein konkretes Beispiel ist die Aufklärung unserer Gäste. Wir kommunizieren klar, dass Privatgrund nicht ohne Einladung betreten werden darf und Rentiere nicht gefüttert werden sollten. Darüber hinaus vertritt die Sámi-Bevölkerung ihre Interessen auf nationaler Ebene sehr stark, was hilft, unsere Lebensumwelt vor kommerzieller Übernutzung zu schützen.

Die Geschichten aus Riesto über das Alltagsleben, die Umsiedlung und den Verlust des Dorfes durch den Stausee zeigen, wie eng Natur, Infrastruktur und menschliches Schicksal hier miteinander verwoben sind. Sie machen deutlich, dass Entwicklung immer Opfer fordert und dass die heutige Landschaft das Ergebnis solcher Eingriffe ist.

  1. Das Midnight Sun Film Festival hat internationale Anerkennung gewonnen. Was macht die Kombination aus Film, Mitternachtssonne und Sodankyläs abgelegener arktischer Lage so einzigartig, und welche Rolle spielt das Festival für die kulturelle Identität der Region?

Das Midnight Sun Film Festival ist wirklich das Herz unserer kulturellen Identität, weil es komplett verändert, wie Menschen sowohl Kino als auch unsere Stadt erleben. Was es so außergewöhnlich macht, ist das konstante 24-Stunden-Tageslicht, das eine traumhafte Atmosphäre schafft, in der Zeit völlig ihre Bedeutung verliert und Filme rund um die Uhr unter einer Sonne laufen, die nie untergeht. Gleichzeitig bewahrt das Festival einen unglaublich bodenständigen, unprätentiösen Geist. Es gibt keine roten Teppiche oder VIP-Absperrungen, die es weltberühmten Filmemachern, internationalen Besuchern und Einheimischen ermöglichen, Seite an Seite in einfachen Zelten und Spielorten zu sitzen und ihre Liebe zum Film zu teilen. Letztlich bringt es die ganze Welt in unsere abgelegene arktische Gemeinschaft und schafft gleichzeitig ein tiefes Gefühl lokalen Stolzes und zeigt, wie nahtlos Weltklasse-Kultur mit unserer authentischen Lebensweise verschmelzen kann.

  1. Wenn ein deutscher Reisender zum ersten Mal nach Sodankylä käme und nur drei Tage hätte, was würden Sie empfehlen, damit er Lappland nicht nur sieht, sondern Sodankylä wirklich versteht?

Um Sodankylä in nur drei Tagen wirklich zu verstehen, würde ich drei essentielle Erlebnisse empfehlen.

Erstens, entdecken Sie unsere lokale Esskultur. Besuchen Sie lokale Restaurants und Produzenten, um regionale Zutaten wie wilde Beeren, Pilze, Fisch und traditionelle nordfinnische Gerichte zu probieren. Dies bietet einen echten Geschmack des lokalen Lebens und der natürlichen Umgebung, die es erhält.

Zweitens, verbringen Sie Zeit in der Natur in einem gemächlichen Tempo. Wandern Sie durch die Wälder, erkunden Sie nahegelegene Wege oder genießen Sie einfach die Stille und die offenen Landschaften. Die Ruhe der arktischen Umgebung zu erleben, ist eine der besten Möglichkeiten, das alltägliche Leben hier zu verstehen.

Drittens, beschäftigen Sie sich mit lokaler Kultur und Geschichte. Besuchen Sie Museen (Alariesto-Galerie, Tankavaara-Goldmuseum oder Amethyst-Mine), lokale Geschäfte und Gemeinschaftstreffpunkte, um Sodankylä als lebendige Stadt zu erleben und nicht als eigens für Touristen geschaffenes Reiseziel. Die Menschen, Traditionen und Geschichten hinter der Landschaft zu verstehen, ist es, was einen Besuch in eine echte Verbindung mit der Region verwandelt.

Vielen Dank für das Gespräch

Die UNESCO Stadt Vilnius


Mit Glück navigierte sich Vilnius durch den Zweiten Welt
krieg und blieb weitgehend von Bombenangriffen ver
schont. Die gemeinsame Geschichte mit Deutschland ist von
Höhen und Tiefen geprägt. Heute zeigt sich die Stadt als eine
moderne und nachhaltige Metropole im Herzen Europas. In
diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die bewegte Ver
gangenheit, die lebendige Gegenwart sowie die vielfältige Kul
tur und Freizeitmöglichkeiten dieser gut vernetzten Stadt.
Sehenswürdigkeiten
Vilnius beeindruckt mit seiner Architektur und lebendiger Kul
tur. Hier sind einige interessante Sehenswürdigkeiten, die Be
sucher in Vilnius erkunden können:
Die Altstadt von Vilnius
Die Altstadt von Vilnius ist eine der größten und am besten
erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Osteuropas und gehört
seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Geprägt von engen
Gassen, barocken Kirchen und historischen Bauwerken, spie
gelt sie die vielfältige Geschichte Litauens wider. Vilnius
wurde im 14. Jahrhundert von Großherzog Gediminas ge
gründet und entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden
politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Osteu
ropas. Im Verlauf der Jahrhunderte hinterließen litauische,
polnische, jüdische, russische und deutsche Einflüsse ihre
Spuren – sichtbar in der Architektur, den Kirchen und histori
schen Gebäuden der Stadt. Die Altstadt ist ein herausragen
des Beispiel für mittelalterliche und barocke Stadtplanung in
Osteuropa und fasziniert bis heute mit ihrem einzigartigen
kulturellen Erbe.
Gediminas-Turm
Der Gediminas-Turm (litauisch: Gedimino pilies bokštas; Bild
oben) ist ein historischer Turm in Vilnius. Der Turm ist der
einzige erhaltene Teil der Oberen Burg aus dem 14. Jahrhun
dert, die von Großherzog Gediminas erbaut wurde, dem
Gründer von Vilnius und einer der bedeutendsten Persönlich
keiten der litauischen Geschichte.
Der Turm befindet sich auf dem Burg Berg im historischen Zentrum von Vilnius. Heute beherbergt der Turm ein Museum, das
Exponate zur Geschichte der Burg und der Stadt Vilnius zeigt. Besu
cher können auch auf die Aussichtsplattform des Turms steigen, von
der aus man einen Panoramablick über die Altstadt von Vilnius und
die Umgebung hat.
Der Turm ist ein wichtiges nationales Symbol und wird oft in kulturel
len und historischen Kontexten dargestellt, einschließlich auf li
tauischen Münzen und Briefmarken. Er ist auch ein beliebtes Ziel für
Touristen, die die reiche Geschichte und Kultur Litauens erkunden
möchten.
Kathedrale von Vilnius
Ein Besuch der Kathedrale und des Kathedralen Platzes ist ein Muss
für jeden, der Vilnius besucht, um die reiche Geschichte und Kultur
der Stadt kennenzulernen. Hier fanden Krönungen, wichtige politische
Ereignisse und religiöse Zeremonien statt. Heute ist die Kathedrale
nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein Symbol der natio
nalen Identität Litauens.
Die Geschichte der Kirche reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. An
ihrer Stelle stand ursprünglich ein heidnischer Tempel, bevor an dem
Ort im Zuge der Christianisierung Litauens eine katholische Kirche er
richtet wurde. Der heutige neoklassizistische Bau stammt aus dem
18. Jahrhundert. Im Inneren der Kathedrale befinden sich zahlreiche
Kunstwerke, darunter Fresken, Gemälde und Skulpturen. Besonders
bemerkenswert ist die Kapelle des heiligen Kasimir, des Schutzpatrons
Litauens, die im Barockstil gestaltet ist.
Neben der Kathedrale steht der freistehende Glockenturm, ein Über
rest der mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Er ist eines der bekann
testen Wahrzeichen von Vilnius.
Tor der Morgenröte (Aušros Vartai)
Das Tor befindet sich im Osten der historischen Stadtmauer von Vil
nius. Die Morgenröte (litauisch: Aušra) ist ein Symbol für den Son
nenaufgang. Daher wurde das Tor nach seiner Lage in Richtung der
aufgehenden Sonne benannt. Der Name spiegelt die Idee eines neuen
Tages, des Lichts und der Hoffnung wider, was auch symbolisch mit
der religiösen Bedeutung des Tores verbunden ist.
Es ist das einzige erhaltene Tor der ehemaligen Stadtmauer, die im
16. Jahrhundert errichtet wurde. Von ursprünglich neun Toren ist nur
dieses noch intakt. Es ist ein wichtiges religiöses und historisches
Denkmal. Im Inneren befindet sich eine Kapelle mit einem berühmten
Gemälde welches Maria darstellt. Das Gemälde im Tor der Morgen
röte ist eines der am meisten verehrten religiösen Bilder in Litauen
und Polen. Es wird als wundertätig angesehen und gilt als Pilgerort.
65
Nordlandführer
UNESCO STADTVILNIUS
Universität Vilnius
Die Universität Vilnius ist eine der ältesten Universitäten in Osteuropa
und beeindruckt mit ihrer historischen Architektur, darunter der be
rühmte Innenhof und die barocke St. Johannes-Kirche. Es werden re
gelmäßig Führungen angeboten, bei denen man mehr über die
Geschichte und Architektur der Universität erfahren kann. Die Univer
sität ist ein lebendiges Zeugnis der litauischen Geschichte und ein
Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen. Sie bleibt
ein wichtiges Zentrum für Bildung, Forschung und kulturellen Aus
tausch in Europa.
@GoVilnius, Gabriel Khiterer
KGB-Museum
Das Museum der Opfer des Genozids, besser bekannt als KGB-Mu
seum in Vilnius, befindet sich in einem ehemaligen Hauptquartier des
sowjetischen Geheimdienstes KGB. Es ist eines der eindrucksvollsten
und traurigsten Museen Litauens und erinnert an die Repressionen
der sowjetischen Besatzungsmacht gegen die litauische Bevölkerung
im 20. Jahrhundert. Das Gebäude diente während der sowjetischen
Herrschaft als Sitz des NKWD (später KGB) und wurde als Gefängnis,
Verhörzentrum und Hinrichtungsstätte genutzt.
Ausstellungen und Bedeutung
Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens 1991 wurde
es in ein Museum umgewandelt, um an die Opfer der sowjetischen
Besatzung zu erinnern.
Das Museum dokumentiert die dunkle Periode der litauischen Ge
schichte unter der sowjetischen und nationalsozialistischen Herr
schaft.
Besucher können die erhaltenen Gefängniszellen besichtigen, in
denen politische Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen ge
foltert wurden. Eine besonders beklemmende Ausstellung zeigt den
Raum, in dem tausende Litauer von den Sowjets ermordet wurden.
Fotos, Briefe und Dokumente erzählen die Schicksale der Menschen,
die während der Stalin-Zeit in Gulags verschleppt wurden.

Hier wird auch die Geschichte der „Waldbrüder“, der litauischen Partisanen, die gegen die sowjetische Besatzung kämpften, dokumentiert.
Das Museum ist ein zentraler Ort des Gedenkens an die Opfer der
sowjetischen Repression und ein wichtiger Bestandteil der litauischen
Erinnerungskultur. Es zeigt eindrucksvoll, wie Litauen unter der sow
jetischen Diktatur gelitten hat und welchen Mut viele Menschen im
Widerstand bewiesen.
Aktivitäten
Zu den angesagten Aktivitäten in Vilnius zählen geführte Stadterkun
dungen, Besichtigungen des Nationalmuseums und verschiedener
Galerien. Ein Blick in den Kulturkalender verrät ein reiches Programm
an Konzerten und Aufführungen. Der botanische Garten, der Vingis
park und der Berg der drei Kreuze mit einem Panoramablick über die
Stadt laden vor oder nach dem Genuss der lokalen Küche ein. Anden
kensammler werden im Künstlerviertel Užupis fündig. Angebote für
den Aktivurlaub wie Radfahren und Kajaken können genutzt werden.
Heißluftballonfahren
Vilnius und die Umgebung bieten die Möglichkeit in einem Heißluft
ballon die charmante Altstadt und die schöne Landschaft von oben
zu besichtigen. Diese besondere Möglichkeit, die nicht viele Orte an
bieten, erlauben Urlaubsfotos der besonderen Art. Wassersport
Die Angebote auf der Neri reichen von Gondeln und Katamaranen bis
hin zu Kajaks. Ob unterhaltsam oder sportlich – hier ist für jeden
etwas dabei.
Gastronomie
Vilnius bietet eine Fülle gastronomischer Angebote – von Snacks,
Cafés und Speisegaststätten bis hin zu einem mit Michelin-Stern aus
gezeichneten Gourmet-Tempel.
Umwelt und Nachhaltigkeit
Besonders erwähnenswert ist, dass Vilnius sich ehrgeizige Ziele ge
setzt hat, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und bis 2050
klimaneutral zu werden.
Im Bemühen sich dem Klimawandel anzupassen, entwickelt die Stadt
Strategien, um sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupas
sen, wie z.B. die Verbesserung der Wasserbewirtschaftung und die
Schaffung von kühlen Zonen in der Stadt. Vilnius fördert die Organi
sation von nachhaltigen Veranstaltungen, bei denen Abfall reduziert,
Recycling gefördert und umweltfreundliche Transportmittel genutzt
werden.
Die Stadt zeigt ein starkes Engagement für Nachhaltigkeit und Um
weltschutz und setzt sich aktiv dafür ein, eine grünere und lebenswer
tere Stadt zu schaffen. Diese Bemühungen machen Vilnius zu einem
Vorbild für andere Städte, die ähnliche Ziele verfolgen.
Wissenswertes aus der Geschichte
Mittelalter und frühe Neuzeit
Im 14. Jahrhundert war Vilnius die Hauptstadt des Großfürstentums
Litauen, dass damals das größte Staatsgebiet Europas umfasste. In
Vilnius lebten damals auch deutsche Kaufleute und Handwerker, was
zur wirtschaftlichen Entwicklung beitrug. Nach 1795 fiel Vilnius an das
Russische Reich. Im 19. Jahrhundert war die Stadt ein Zentrum für li
tauische, polnische und deutsche Kultur. Die deutsche Sprache wurde
in Bildung und Wissenschaft, insbesondere an der Universität Vilnius
genutzt.
Erster Weltkrieg und deutsche Besetzung (1915–1918)
Während des Ersten Weltkriegs besetzten deutsche Truppen 1915 Vil
nius und die Region Litauen. Unter deutscher Aufsicht wurde 1918 der litauische Staat proklamiert. Die Deutschen hofften, Litauen als
Satellitenstaat zu kontrollieren, doch die Unabhängigkeit setzte sich
letztlich durch.
Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzung (1941–1944)
Nach dem Hitler-Stalin-Pakt wurde Litauen zunächst von der Sowjet
union besetzt (1940), dann 1941 im Zuge des Überfalls auf die Sow
jetunion von Nazi-Deutschland.
Vilnius galt als das „Jerusalem des Nordens“ aufgrund seiner großen
jüdischen Gemeinde, deren Mitglieder während der deutschen Besat
zung (1941–1944) von den Nationalsozialisten fast alle ermordet wur
den.1944 wurde die Stadt von der Roten Armee zurückerobert und in
die Sowjetunion eingegliedert.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Stadt nicht vollständig ver
schont, aber sie wurde im Vergleich zu vielen anderen europäischen
Städten relativ wenig zerstört. Es gibt mehrere Gründe dafür:
Als Deutschland die Sowjetunion im Juni 1941 angriff (Operation Bar
barossa), wurde Vilnius schnell von der Wehrmacht eingenommen.
Da es keine langwierigen Kämpfe um die Stadt gab, blieb sie weitge
hend unbeschädigt. Obwohl Vilnius eine wichtige Stadt war, hatte sie
keine riesigen Industriekomplexe oder militärischen Produktionsstät
ten, die gezielt bombardiert wurden, wie beispielsweise in Deutsch
land oder Polen.
Als die Rote Armee im Sommer 1944 Vilnius zurückeroberte, kam es
zwar zu Kämpfen, aber die Stadt wurde nicht systematisch zerstört.
Die Wehrmacht zog sich größtenteils zurück, ohne eine vollständige
Vernichtung durchzuführen. Ein weiterer glücklicher Umstand war,
dass im Gegensatz zu vielen deutschen oder westeuropäischen Städ
ten Vilnius nicht Ziel groß angelegter alliierter Bombenangriffe wurde.
Nach der Rückeroberung durch die Rote Armee wurde Vilnius in die
Sowjetunion integriert. Die Sowjets hatten ein Interesse daran, die
Stadt als funktionierendes Verwaltungszentrum für die Litauische so
zialistische Sowjetrepublik (SSR) zu erhalten, anstatt sie völlig zu zer
stören.
Nachkriegszeit und Gegenwart
Während der Sowjetzeit bestand kaum Kontakt zwischen Litauen und
Westdeutschland. Dies änderte sich nach der Unabhängigkeit Litau
ens 1990 und es entstand eine enge Partnerschaft zwischen Deutsch
land und Litauen. Vilnius ist heute ein wichtiger kultureller und
wirtschaftlicher Partner Deutschlands in Osteuropa.
Integration in die Europäische Gemeinschaft und die EU
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 und der Wiederer
langung der Unabhängigkeit Litauens 1991 entwickelten sich die Be
ziehungen zwischen Deutschland und Litauen, einschließlich Vilnius,
positiv. Litauen trat 2004 der Europäischen Union und der NATO bei,
was die bilateralen Beziehungen weiter stärkte.

Wildnis pur, wörtlich genommen

m Norden Schwedens liegt das Gehöft Solberget mitten in der Wildnis der Provinz Norbotten, sozusagen dort, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen.
„Wildtiere sieht man trotzdem kaum, es sei denn man sucht gezielt nach ihnen“, erklärt mir Dirk Hagenbuch. Er besuchte den Bauernhof zuerst Anfang der 1990er Jahre und kam immer wieder, bis er den Hof schließlich übernahm. Auch seine Frau Silke lernte er hier kennen, beide sind aus Deutschland. Das Paar mit mittlerweile drei Kindern, lebt und arbeitet hier. Wem die in einer Serie verfilmten Geschichten von Laura Ingals Wilder über „Unsere kleine Farm“ in den Sinn kommen, dann ist das nicht verwunderlich.
Touristen aus dem deutschsprachigen Raum kommen gerne hierher. Jede Jahreszeit bietet etwas Besonderes. Ablenkung durch das Internet findet auch seine Grenzen, denn Strom gibt es nur bei Sonnenschein. Fließendes Wasser wird direkt aus einer Quelle bezogen. Feuerholz im Ofen sorgt für wohlige Wärme, gekocht wird aber mit Gas. Die Sauna ersetzt das Badezimmer, denn alle waschen sich da. Bei der Ankunft werden die Gäste gefragt, ob sie gern beim Anheizen der Sauna helfen möchten. Sie erhalten dafür selbstverständlich eine Einweisung.
Die Hagenbuchs bieten drei unterschiedliche Unterkünfte an. Im Gästehaus stehen die meisten Zimmer bereit und dort ist auch die große Gemeinschaftsküche, in der gespeist wird. Außerdem steht ein Blockhaus zur Verfügung, welches sich für kleinere Gruppen anbietet, die unter sich bleiben möchten. Für zwei bis vier Personen gibt es auch noch im sogenannten Bauwagen Platz.
Einmal am Tag wird den Gästen eine warme Mahlzeit in der großen Gemeinschaftsküche des Gästehauses serviert. Einkaufen gehen braucht man nicht, es ist alles vor Ort vorhanden und wird von den Gästen mitgebucht. Die landestypischen Speisen wie Rentier-, Elch und Fischgerichte, werden mit Kräutern, Beeren und Pilzen der jeweiligen Jahreszeit verfeinert. Für Vegetarier ist ebenfalls gesorgt. Zum Wohlbefinden und Genuss gehören weitere lokale Zutaten, soweit sie in diesen nördlichen Breiten zu bekommen sind.
Auf Nachhaltigkeit wird Wert gelegt. Es gibt sogar Rabatte für die Anreise mit der Bahn. Gute Verbindungen sind schon ab Berlin und Hamburg möglich. Der nächstgelegene Bahnhof ist Nattavaara, von dem die Gäste, die sich angemeldet haben, abgeholt werden. Alternativ kann man mit dem Flugzeug oder mit dem eigenen Auto anreisen.
Gäste jeden Alters, angefangen vom Kleinkind mit seinen Eltern, Gruppen oder allein Reisende, bis hin zu rüstigen Senioren kommen gerne hierher, um das Leben auf dem Land zu genießen. Das Freizeitangebot im Winter umfasst unter anderem Schneeschuhwandern, Ausflüge mit Rentier- oder Schlittenhunden oder im Schneemobil, die ein externer Anbieter organisiert. Wer möchte kann einen Iglu bauen. Im Sommer bieten sich vor allem Wanderungen in der herrlichen Natur an, auch zusammen mit Rentieren als Begleitung.
Auch in der Weihnachtszeit sowie über Silvester und Neujahr sind Gäste willkommen, jedoch sind die Unterkünfte vor allem zum Jahreswechsel schon auf Jahre hinaus ausgebucht, erklärt Dirk.
Erholsame oder spannende Erlebnisse in der unberührten Natur des schwedischen Lapplands bleiben rund um diesen Hof auf jeden Fall lange in Erinnerung.

Begegnung mit einem Giganten der Tiefsee Pottwalbeobachtung in Nordnorwegen

Die Gewässer vor der Nordküste Norwegens gehören zu den spektakulärsten Naturräumen Europas. Dort, wo kalte Strömungen des Nordatlantiks auf dramatische Unterwasserlandschaften treffen, leben und jagen einige der größten Tiere unseres Planeten. Einer der beeindruckendsten unter ihnen ist der Pottwal – der größte Zahnwal der Welt. Durch geführte Expeditionen von Arctic Whale Tours erhalten Besucher die Möglichkeit, diese außergewöhnlichen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Einer der wichtigsten Ausgangspunkte für diese unvergesslichen Erlebnisse ist Andenes, ein kleines Fischerdorf im Norden Norwegens.

Ein einzigartiger Lebensraum für Pottwale

Die Gewässer rund um Andenes gelten als einer der besten Orte Europas, um Pottwale zu beobachten. Der Grund dafür liegt unter der Meeresoberfläche. Nur wenige Kilometer vor der Küste befindet sich der Bleik Canyon, ein tiefer Unterwassergraben, der ein nährstoffreiches marines Ökosystem schafft.

Diese geologische Formation ermöglicht es, dass kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe aufsteigt und große Mengen an Tiefseelebewesen anzieht. Für den Pottwal wird dieses Gebiet damit zu einem idealen Jagdrevier. Die riesigen Meeressäuger tauchen Hunderte oder sogar Tausende Meter in die Dunkelheit des Ozeans hinab, um Kalmare und andere Tiefsee-Beute zu finden.

Da das Nahrungsangebot hier besonders reich ist, kehren Pottwale regelmäßig in diese Region zurück. Wissenschaftler und Naturbegeisterte betrachten das Gebiet daher als einen der zuverlässigsten Orte weltweit, um Pottwale in freier Wildbahn anzutreffen.

Der Beginn einer Walexpedition

Eine typische Walbeobachtungstour startet im Hafen von Andenes. Vor der Abfahrt erhalten die Gäste eine kurze Einführung durch die Guides. Sie erklären Sicherheitsvorkehrungen, beschreiben das Verhalten der Pottwale und vermitteln faszinierende Fakten über ihre Biologie und Lebensweise.

Kurz nach dem Ablegen fährt das Boot hinaus auf die offene See. Schon die Landschaft ist atemberaubend: zerklüftete Inseln, ferne Bergketten und Seevögel, die elegant über die Wellen gleiten. Während der Fahrt halten erfahrene Spotter aufmerksam Ausschau nach Anzeichen von Walen. Oft ist der erste Hinweis eine weit entfernte Wasserfontäne, die über der Meeresoberfläche aufsteigt.

Der Moment der Begegnung

Sobald ein Wal gesichtet wird, verlangsamt das Boot seine Fahrt und nähert sich vorsichtig, um die Tiere nicht zu stören. Allmählich taucht der gewaltige Rücken eines Pottwals aus dem Wasser auf.

Pottwale können bis zu 18 Meter lang werden und viele Tonnen wiegen. Wenn sie zum Atmen an die Oberfläche kommen, stoßen sie einen charakteristischen schrägen Blas aus, der schon aus großer Entfernung sichtbar ist. Einige Minuten lang bleibt der Wal an der Oberfläche und atmet ruhig, bevor er sich auf seinen nächsten Tiefentauchgang vorbereitet.

Dann folgt der Moment, auf den viele Besucher hoffen: Langsam hebt der Wal seine mächtige Schwanzfluke hoch über das Wasser, bevor er lautlos in die Tiefe gleitet. Diese eindrucksvolle Bewegung markiert den Beginn eines Tauchgangs, der länger als eine halbe Stunde dauern kann.

Für viele Beobachter wird dieser kurze, aber kraftvolle Augenblick zum Höhepunkt der gesamten Expedition.

Mehr als nur Tourismus

Die Touren von Arctic Whale Tours sind nicht nur spannende Abenteuer, sondern auch lehrreiche Naturerlebnisse. Während der Fahrt teilen die Guides wissenschaftliche Erkenntnisse über das arktische Meeresleben. Besucher erfahren unter anderem:

  • wie Pottwale mithilfe von Echolokation in der Dunkelheit der Tiefsee jagen
  • wie sie kommunizieren und sich sozial verhalten
  • warum der Schutz empfindlicher Meeresökosysteme so wichtig ist

Diese Erklärungen helfen den Gästen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Meereslebewesen und ihrer Umwelt besser zu verstehen.

Ein Naturerlebnis in der Arktis

Pottwalbeobachtungen finden meist von Spätfrühling bis Frühherbst statt, wenn die See ruhiger ist und die Chancen auf Sichtungen steigen. Neben Pottwalen können Besucher gelegentlich auch andere Meeressäuger beobachten – darunter Delfine, Grindwale oder sogar Orcas.

Doch selbst ohne eine Walbegegnung bleibt die Fahrt durch die dramatische arktische Meereslandschaft ein unvergessliches Erlebnis. Die Weite des Ozeans, die frische Nordluft und die Spannung, einem der Giganten der Ozeane zu begegnen, schaffen ein Gefühl von Abenteuer, das nur wenige Orte der Welt bieten.

Arctic Whales bietet auch Touren von Stø aus an – einem kleinen, aber lebendigen und sehr interessanten Fischerdorf. Von dort geht es hinaus zum Bleik Canyon. Diese Ausfahrten finden im Juni, Juli und August statt und sind gleichzeitig Vogelsafaris. Auf dem Rückweg vom Bleik Canyon wird die Insel Anda angesteuert, wo sich eine große Papageitaucherkolonie befindet. Außerdem leben dort viele Seeadler sowie zahlreiche weitere Vogelarten.

Für Menschen, die einen ihrer Urlaubstage gerne vollständig auf dem Meer verbringen möchten, empfehlen wir diese Tour besonders. Für jene, die vor allem den Wal sehen möchten, gilt die Ansage: Fahrt nach Andenes.

Die Ausfahrten ab Andenes dauern in der Regel 3 bis 5 Stunden. Die Touren ab Stø beginnen um 10 Uhr und dauern bis etwa 16 bis 18 Uhr.

Ein besonderer Geopark Rokuas einzigartige Landschaft

Ein Interview mit Parkexperten und einem Anbieter aus der Region

Ihr Nordlandführer: Was macht die Landschaft im Vergleich zu anderen Parks in Europa so einzigartig?

Mikko Kiuttu: Der Rokua Geopark erzählt das Erbe der Eiszeit. Hier erstrecken sich die ungewöhnlich weiten, hohen sandigen Böden, die von der kontinentalen Eisschicht und ihrem Schmelzwasser herantransportiert wurden. Sie beherbergen zahlreiche gut ausgeprägte Landschaftsformen und Lebensräume, die Heimat sehr seltener Arten sind. Der Rokua-Hügel, das Kerngebiet des Rokua Geoparks, gilt als die wertvollste Ufer- und Windablagerungsformation Finnlands und ist durch mehrere Naturschutzprogramme geschützt, wie dem Nationalpark, Natura2000 und dem Oserschutzprogramm. Darüber hinaus liegen diese sandigen Landschaftsformen auf dem Gebiet des ältesten Grundgesteins Europas. Die Gneise sind bis zu 2,88 Milliarden Jahre alt – zwei Drittel der Erdgeschichte! Heutzutage findet man in der Gegend unter anderem auch das tiefste natürliche Toteisloch Finnlands, die größten offenen Wasserflächen der finnischen Binnenseen und die älteste ganzjährig genutzte Holzkirche Finnlands.

Katarina van Boxtel: Die Landschaft des Rokua Parks wurde während der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren geformt. In Finnland und anderswo kann man ähnliche Strukturen sehen, die durch schmelzendes Eis entstanden sind, aber nirgendwo sonst kann man alle diese Strukturen so deutlich an einem Ort sehen. Wir erzählen die Geschichte der letzten Eiszeit und ihres Erbes: Das Schmelzwasser schuf Oser, Toteislöcher durch große Eisblöcke und Dünen, die der Wind formte, als nur noch Sand übrig war. Diese Merkmale sind alle auf einem sehr kleinen Gebiet sichtbar, anderswo in Europa nicht. Wir haben auch drei verschiedene Landschaftsräume: das Gebiet des Rokua-Nationalparks, den großen See Oulujärvi mit seinen vielfältigen Wasserlandschaften und den Fluss Oulujoki in der Nähe von Andreas Ort, die alle sehr unterschiedliche Landschaften zeigen. Diese Gebiete sind ein Muss, um ein vollständiges Bild des Parks zu bekommen.

Ihr Nordlandführer: Könnten Sie in diesem Zusammenhang „das Zeichen (The Mark)“ erklären? Was ist das?

Katarina: Letztes Jahr hatten wir ein Projekt mit Umweltkunst, bei dem Künstler an verschiedenen Orten im Geopark Werke schufen. Die lokale Bevölkerung war am Aufbau der Werke beteiligt. Das Zeichen befindet sich in der Nähe eines Wasserkraftwerks, an einer Stelle, wo es früher Stromschnellen gab. Früher erzählten sich die Leute Geschichten über Riesen, die große Steine bewegten und so die Landschaft erschufen. Das Zeichen stellt einen „Riesenfingerabdruck“ dar. Besucher können diese Geschichten hören und über die Beziehung des Menschen zur Natur nachdenken.

Die Kunst ist offen für Interpretationen. Manche sehen darin eine Hommage an den Orientierungslauf – eine beliebte finnische Sportart, bei der man sich anhand von Karten in der Landschaft orientiert. Die Künstler wollten die Besucher dazu anregen, über die Spuren nachzudenken, die der Mensch in der Natur hinterlässt und dabei Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein betonen. Es wurden natürliche Materialien verwendet, und die Werke befinden sich oft in der Nähe von Wanderwegen. Ein Beispiel auf der Insel Manamansalo ist ein großes Auge aus Stein, das symbolisieren soll, wie die Natur über die Jahrtausende das menschliche Handeln beobachtet.

Ihr Nordlandführer: Welche Orte im Geopark sind absolute Muss-Ziele – und warum?

Mikko: Empfehlenswerte Orte für einen Besuch ist der Lemmenpolku-Naturlehrpfad in Muhos mit abwechslungsreicher Natur und herrlichen Ausblicken auf den Fluss. Entlang des Weges werden viele natur- und kulturgeschichtliche Informationen vermittelt, der Pfad ist leicht erreichbar. Sowie die Liimanninkoski-Stromschnellen und der Naturlehrpfad in Muhos mit der tiefen Schlucht des Flusses Muhos. Ein Lagerfeuerplatz und Unterstand mitten in der Wildnis und direkt an den schäumenden Stromschnellen, ist leicht erreichbar und weist klare Informationstafeln auf.

Der Rokua-Nationalpark mit seinen zahlreichen Wanderwegen, besonders der Syvyydenkierros-Naturlehrpfad und der Pooki-Aussichtsturm: der Pooki-Hügel ist der höchste Punkt des Geoparks und bietet einen schönen Blick über die weite Wildnis. Die flechtenbedeckten Kiefernwälder von Rokua sind sehr außergewöhnlich und schaffen zusammen mit den kristallklaren Seen eine beeindruckende und entspannende Landschaft. Eine stimmungsvolle Fährfahrt gibt es zur Insel Manamansalo mitten im Oulujärvi. Typische Landschaftsbilder, die zu den wertvollsten Landschaftsräumen Finnlands gehören, zahlreiche Wanderwege, die über die welligen Oserrücken führen und einen beeindruckenden Blick auf die Weite des Oulujärvi bieten, Campingplätze mit Restaurants und guten Stellplätzen für Wohnmobile.

Ihr Nordlandführer: Wie ist diese charakteristische Dünen- und Seenlandschaft tatsächlich entstanden?

Mikko: Vor etwa 12.000 Jahren war der Rokua Geopark noch von zwei Kilometer dickem kontinentalem Eis bedeckt, das langsam floss und das darunterliegende Grundgestein erodierte. Durch das sich erwärmende Klima begann es zu schmelzen. Die gewaltigen Schmelzwasserströme transportierten und lagerten enorme Mengen an erodiertem Gesteinsmaterial ab, was zu breiten und langen Sandrücken mit unterschiedlichem Relief führte. Im Bereich des Rokua-Hügels wurde eine außergewöhnlich große Menge Sand abgelagert weil die weichen Sedimentgesteine des Muhos-Tons den Schmelzwasserströmen riesige Sandmengen zuführten. Zahlreiche riesige Eisblöcke wurden im Sand eingebettet und hinterließen beim Schmelzen Vertiefungen im Boden, die sogenannten Toteislöcher. Zunächst lagen alle Sandschichten unter der Meeresoberfläche, aber als sich das Land vom Druck des Eises befreit anhob, wurde der Boden freigelegt und die Meeresküste zog sich zurück, wobei alte Uferlinien noch sichtbar sind. Der kahle, frisch freigelegte Sand wurde von starken Winden geformt, und so entstand das größte Dünenfeld Finnlands auf dem Gipfel des Rokua-Hügels, einschließlich der höchsten Düne Finnlands. Später kamen Pflanzen, Tiere und der Mensch und begannen die Landschaft so zu formen, wie wir sie heute sehen.

Ihr Nordlandführer: Gibt es eine bestimmte Jahreszeit, in der der Geopark besonders eindrucksvoll oder schön ist?

Mikko: Der Rokua Geopark bietet Aktivitäten, Attraktionen und Serviceeinrichtungen das ganze Jahr über. Für die Frühlingssaison sind der März und April am besten. Der März fühlt sich noch eher wie Winter an, aber die höheren Tagestemperaturen bieten bereits gute Bedingungen für Winteraktivitäten wie Skilanglauf, Schneeschuhwandern, Eisfischen und Fatbike-Fahren. Im April und Mai sind die meisten Wege aufgrund der Schneeschmelze und des weichen Bodens nicht begehbar, aber wenn man die Wiedergeburt der Natur erleben möchte, mit ziehenden Vögeln, schmelzenden Eiskappen und den Menschen, die wieder anfangen zu lächeln, dann ist diese Jahreszeit unbedingt einen Besuch wert. Juni, Juli und August sind die Sommermonate. Alle Services sind verfügbar, die Wege sind geöffnet und auch Wassersport ist möglich. Mitte September ist in der Regel die beste Zeit, um die Herbstfarben zu erleben, und auch die ersten Polarlichter erscheinen dann schon am Himmel. Oktober und November sind die Spätherbstmonate, in denen meist der erste Schnee fällt und die Landschaft hinter magischem Nebel und Stille verborgen liegt. Im Dezember zieht der Winter dann endgültig ein, und die Flechtenheiden werden langsam von Schnee und die Seen von einer Eiskappe bedeckt.

Katarina: Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz. Der Sommer bietet warmes Wetter und Aktivitäten im Freien. Der Herbst bringt buntes Laub. Der Winter schafft eine weiße, postkartenreife Landschaft. Alle Jahreszeiten sind es wert, erlebt zu werden. Im Sommer können Besucher mit dem Auto anreisen, um Flüsse, Seen und Stromschnellen zu erkunden. Die Wege und Seen des Rokua Parks bieten das ganze Jahr über schöne Ausblicke. Der Winter bietet Loipen für Skilanglauf und eine verschneite Landschaft.

Ihr Nordlandführer: Und für Familien mit Kindern?

Lilian Andreia Dias: Meine Kinder lieben es, die Natur rund um kleine Seen, von Wäldern umgebenen Stränden und große Seen mit klarem Wasser zu erkunden. Sie genießen es, in Flüssen und kleinen Stromschnellen zu baden. Im Winter sind die Loipen für Skilanglauf kostenlos und überall vorhanden. Die lokalen Gemeinschaften treffen sich in jeder Jahreszeit in der Natur, und Besucher können sich anschließen und sehen, wie hier in der Natur gelebt wird. Jede Jahreszeit hat ihre einzigartige Schönheit, so dass es schwerfällt, einen Favoriten zu wählen.

Welche Aktivitäten sind besonders für Familien oder Erstbesucher geeignet?

Lilian: An unserem Ort betrachten wir uns selbst als Familienpark. Kinder können sicher in flachen Seen schwimmen, Kajaks ausprobieren und an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen: Kochkurse, Kunst in der Natur, Seifenblasen spielen, Tanzen und Klettern auf Bäume. Winteraktivitäten sind nachhaltig organisiert und beinhalten ein Weihnachtsdorf mit Bastelarbeiten aus recycelten oder natürlichen Materialien.

Ihr Nordlandführer: Was die Tierwelt betrifft, sollten Besucher auf Bären oder Wölfe achten?

Lilian: Nein, die Tiere haben mehr Angst vor uns. Biber sind häufig zu sehen und es gibt viele Vogelarten. Gelegentlich tauchen Spuren größerer Tiere wie Elche auf, aber Sichtungen sind selten.

Ihr Nordlandführer: Ist es möglich, den Park ohne Auto zu erkunden?

Katarina: Ja, besonders im Sommer. Bahnhöfe sind in den Hauptgemeinden vorhanden, aber Busse sind rar. Für abgelegene Orte werden Fahrradtouren oder Führer empfohlen. Lokale Führer, genannt Park Rangers, sind sachkundig in Bezug auf Natur und lokale Geschichte.

Lilian: Wir haben viele Besucher, die ohne Auto kommen und deshalb länger bei uns bleiben. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben unsere Besucher viele Möglichkeiten, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

Ihr Nordlandführer: Was würden Sie Erstbesuchern empfehlen?

Katarina: Sehen Sie sich alle drei Hauptlandschaften an: Andreas Flusstal, den Rokua-Nationalpark mit Osern, Toteislöcher und Dünen sowie den Oulujärvi-See für Wasseraktivitäten im Sommer. Bitte besuchen Sie das Besucherzentrum Rokua, wo man nach Führungen fragen kann.

Lilian: Unser Ort ist das Tor zum Rokua Park, in der Nähe eines berühmten Wanderwegs, wo man einzigartige Felsformationen sehen kann. Generell gilt: Egal wo man im Park übernachtet, man ist in guten Händen, was die Betreuung der Besucher angeht.

Ihr Nordlandführer: Wie stellen Sie sicher, dass ein zunehmender Tourismus der natürlichen Umwelt nicht schadet?

Lilian: Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind wichtig: vogelsichere Fenster, natürliche Materialien, energiebewusste Heizung und sicheres Wassermanagement. Besucher werden ermutigt, die Umwelt zu respektieren und auf den markierten Wegen zu bleiben. Empfindliche Bereiche wie Dünen und seltene Moose (Flechten) müssen geschützt werden. Das Beerensammeln und Pilze suchen ist saisonabhängig. In Trockenperioden besteht Waldbrandgefahr. Jeder Besucher sollte darauf achten und die Richtlinien befolgen, z.B. in Zeiten hoher Waldbrandgefahr die ausgewiesenen Feuerstellen nicht zu nutzen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind spürbar: kürzere Winter, weniger Schnee und gelegentlich extreme Temperaturen. Universitäten erforschen das Grundwasser und andere ökologische Veränderungen. Insekten treten je nach den herrschenden Bedingungen vor allem zu Sommerbeginn auf.

Der Rokua Geopark fördert nachhaltige Praktiken und unterstützt Unternehmen bei der Erlangung des Zertifikats „Sustainable Travel Finland“. Einige Projekte erhalten EU-Fördermittel, insbesondere für die Umwelterziehung.

Ihr Nordlandführer: Vielen Dank. Haben Sie abschließende Bemerkungen?

Katarina: Wir hoffen, dass Besucher die Natur erkunden, respektieren und sich mit den lokalen Gemeinschaften austauschen. Der Park bietet reichhaltige Erfahrungen über alle Jahreszeiten, Landschaften und Aktivitäten hinweg und vereint Naturschönheit, Kunst, Kultur und Nachhaltigkeit.

 

 

Eystur – wo die Färöer noch ganz nah sind

Zwischen alten Wikingersiedlungen, grünen Bergen und dem offenen Nordatlantik zeigt Eysturkommuna eine Seite der Färöer, die gleichzeitig traditionsbewusst und erstaunlich modern ist.

Wer auf Eysturoy unterwegs ist, sollte nicht nur die bekannten Aussichtspunkte ansteuern. Eysturkommuna mit Leirvík, Norðragøta, Gøtugjógv, Syðrugøta und undir Gøtueiði gehört zu jenen Regionen, in denen sich die Färöer besonders unmittelbar erleben lassen. Die Gemeinde entstand 2009 aus dem Zusammenschluss der früheren Gemeinden Leirvík und Gøta.

Hier bestimmen Meer, Berge und kleine Siedlungen das Bild. Gleichzeitig ist die Region eng mit der Geschichte der Inseln verbunden. Besonders Gøta besitzt tiefe historische Wurzeln. Syðrugøta reicht als Siedlung bis in die Wikingerzeit zurück – eine Vergangenheit, die hier nicht wie Museumsgeschichte wirkt, sondern Teil der heutigen Identität geblieben ist.

Kultur zwischen Wikingerzeit und Festival

Dass Tradition auf den Färöern keineswegs Stillstand bedeutet, erlebt man besonders eindrucksvoll in Syðrugøta. Der kleine Ort verwandelt sich jeden Sommer beim G! Festival in eine außergewöhnliche Musikbühne. Tausende Besucher von den Färöern und aus dem Ausland kommen dann in das Dorf; Konzerte finden in unmittelbarer Nähe zum Strand und zur dramatischen Landschaft statt.

Auch die maritime Kultur wird bewusst bewahrt. Historische färöische Boote erzählen von einer Zeit, in der das Meer Verkehrsweg, Arbeitsplatz und Lebensgrundlage zugleich war. In Leirvík bietet die vorhandene Bootssammlung einen Rahmen, um dieses kulturelle Erbe für kommende Generationen zu erhalten.

Doch Eysturkommuna lebt nicht allein von der Vergangenheit. Fischerei und maritime Wirtschaft spielen weiterhin eine wichtige Rolle. In Syðrugøta haben bedeutende färöische Fischereiunternehmen ihren Sitz. So entsteht ein spannender Kontrast: traditionelle Dörfer und jahrhundertealte Seefahrtskultur auf der einen, moderne nordatlantische Wirtschaft auf der anderen.

Nachhaltigkeit beginnt vor der Haustür

Für Reisende ist gerade diese Verbindung interessant. Nachhaltigkeit bedeutet hier nicht, eine Landschaft für Besucher neu zu inszenieren. Es geht vielmehr darum, lebensfähige Orte zu erhalten, Infrastruktur weiterzuentwickeln und gleichzeitig lokale Identität zu bewahren.

Die Gemeinde investiert beispielsweise in Schulen, Gesundheitsversorgung und öffentliche Einrichtungen. Auch die Verbindung der einzelnen Ortschaften durch öffentlichen Nahverkehr gehört seit Jahren zur lokalen Infrastruktur.

Das passt zu einer Region, die nicht zum touristischen Freilichtmuseum werden möchte. Besucher treffen hier auf Dörfer, in denen tatsächlich gelebt und gearbeitet wird. Gerade deshalb sollte man sich Zeit nehmen: am Meer spazieren, die alten Siedlungsstrukturen entdecken, mit Einheimischen ins Gespräch kommen und die Landschaft nicht nur als Fotomotiv betrachten.

Eysturkommuna steht damit für eine Form des Reisens, die hervorragend zu den Färöern passt: weniger konsumieren, genauer hinschauen und länger bleiben.

Vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz dieser Gemeinde. Hier muss man die färöische Kultur nicht suchen. Sie begegnet einem auf Schritt und Tritt – zwischen Bootshäusern und modernen Fischereibetrieben, zwischen Musikfestival und Wikingererbe, zwischen grünen Berghängen und dem Nordatlantik.