Eystur – wo die Färöer noch ganz nah sind

Zwischen alten Wikingersiedlungen, grünen Bergen und dem offenen Nordatlantik zeigt Eysturkommuna eine Seite der Färöer, die gleichzeitig traditionsbewusst und erstaunlich modern ist.

Wer auf Eysturoy unterwegs ist, sollte nicht nur die bekannten Aussichtspunkte ansteuern. Eysturkommuna mit Leirvík, Norðragøta, Gøtugjógv, Syðrugøta und undir Gøtueiði gehört zu jenen Regionen, in denen sich die Färöer besonders unmittelbar erleben lassen. Die Gemeinde entstand 2009 aus dem Zusammenschluss der früheren Gemeinden Leirvík und Gøta.

Hier bestimmen Meer, Berge und kleine Siedlungen das Bild. Gleichzeitig ist die Region eng mit der Geschichte der Inseln verbunden. Besonders Gøta besitzt tiefe historische Wurzeln. Syðrugøta reicht als Siedlung bis in die Wikingerzeit zurück – eine Vergangenheit, die hier nicht wie Museumsgeschichte wirkt, sondern Teil der heutigen Identität geblieben ist.

Kultur zwischen Wikingerzeit und Festival

Dass Tradition auf den Färöern keineswegs Stillstand bedeutet, erlebt man besonders eindrucksvoll in Syðrugøta. Der kleine Ort verwandelt sich jeden Sommer beim G! Festival in eine außergewöhnliche Musikbühne. Tausende Besucher von den Färöern und aus dem Ausland kommen dann in das Dorf; Konzerte finden in unmittelbarer Nähe zum Strand und zur dramatischen Landschaft statt.

Auch die maritime Kultur wird bewusst bewahrt. Historische färöische Boote erzählen von einer Zeit, in der das Meer Verkehrsweg, Arbeitsplatz und Lebensgrundlage zugleich war. In Leirvík bietet die vorhandene Bootssammlung einen Rahmen, um dieses kulturelle Erbe für kommende Generationen zu erhalten.

Doch Eysturkommuna lebt nicht allein von der Vergangenheit. Fischerei und maritime Wirtschaft spielen weiterhin eine wichtige Rolle. In Syðrugøta haben bedeutende färöische Fischereiunternehmen ihren Sitz. So entsteht ein spannender Kontrast: traditionelle Dörfer und jahrhundertealte Seefahrtskultur auf der einen, moderne nordatlantische Wirtschaft auf der anderen.

Nachhaltigkeit beginnt vor der Haustür

Für Reisende ist gerade diese Verbindung interessant. Nachhaltigkeit bedeutet hier nicht, eine Landschaft für Besucher neu zu inszenieren. Es geht vielmehr darum, lebensfähige Orte zu erhalten, Infrastruktur weiterzuentwickeln und gleichzeitig lokale Identität zu bewahren.

Die Gemeinde investiert beispielsweise in Schulen, Gesundheitsversorgung und öffentliche Einrichtungen. Auch die Verbindung der einzelnen Ortschaften durch öffentlichen Nahverkehr gehört seit Jahren zur lokalen Infrastruktur.

Das passt zu einer Region, die nicht zum touristischen Freilichtmuseum werden möchte. Besucher treffen hier auf Dörfer, in denen tatsächlich gelebt und gearbeitet wird. Gerade deshalb sollte man sich Zeit nehmen: am Meer spazieren, die alten Siedlungsstrukturen entdecken, mit Einheimischen ins Gespräch kommen und die Landschaft nicht nur als Fotomotiv betrachten.

Eysturkommuna steht damit für eine Form des Reisens, die hervorragend zu den Färöern passt: weniger konsumieren, genauer hinschauen und länger bleiben.

Vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz dieser Gemeinde. Hier muss man die färöische Kultur nicht suchen. Sie begegnet einem auf Schritt und Tritt – zwischen Bootshäusern und modernen Fischereibetrieben, zwischen Musikfestival und Wikingererbe, zwischen grünen Berghängen und dem Nordatlantik.